Der kommunikative Fehlschlag des Jahres: die Schweinegrippe

22 Dez

Es war von Anfang an ein buchstäbliches Desaster! Und am Ende hinterlässt die Hysterie um die Schweinegrippe vor allem einen abgestumpften Verbraucher, der künftig noch skeptischer als bislang sein wird. Das ist weder notwendig noch hilfreich. Im Gegenteil: Es könnte uns alle teuer zu stehen kommen. Hier hat Kommunikation nicht nur gründlich versagt, sondern viel zu viel Kredit verspielt.

Für mich ist die Schweinegrippe das kommunikative Desaster des Jahres 2009. Aber keine Sorge, an dieser Stelle will ich mich gar nicht in trübe Vermutungen oder Spekulationen ergehen, wer davon profitiert und was wirklich Sache ist. Mir geht es vor allem um die begleitende Kommunikation und die damit erreichten Ergebnisse.

Von der ersten Sekunde an hat man in den Medien den Eindruck erzeugt, bei der Schweinegrippe handle es sich um eine menschheitsbedrohende Pandemie, die so gut wie gar nicht zu kontrollieren sei. Doch dann kam nach kurzer Zeit die Überraschung: Es gab einen Impfstoff, den nun natürlich möglichst alle verabreicht bekommen sollten, um eine wirksame Immunisierung zu gewährleisten. Das Problem dabei: Die Zeitspanne zwischen der allgemeinen Ratlosigkeit und der abgeschlossenen Entwicklung des Impfstoffes war einfach viel zu kurz. Kritische Geister meldeten sich zu Wort und sorgten für erhebliche Zweifel in der Öffentlichkeit. Dank ähnlicher Horrorszenarien im Zuge von BSE, SARS oder der Vogelgrippe fiel das auch nichts besonders schwer. Irgendwie mutete das Ganze einfach sehr seltsam an. Das dumpfe Gefühl, dass da etwas faul sein müsse, beschlich einen fast zwangsläufig.

Der nächste kommunikative GAU: Plötzlich gab es zwei verschiedene Impfstoffe. Unabhängig davon, was wirklich dahinter stand, kam in der Öffentlichkeit vor allem eine Botschaft an: Es gibt einen guten Impfstoff für die wichtigeren und einen weniger guten für die normalen Menschen. Das verstärkte die ohnehin schon nicht zu übersehenden Vorbehalte bei den meisten Verbrauchern in einem Maße, dass ein sachlicher Dialog kaum mehr möglich war.

Den letzten schwerwiegenden Fehler bekam man dann in den Arztpraxen zu spüren. Diejenigen, die sich trotz aller Zweifel für die Impfung entschieden hatten, wurden vertröstet. Es seien nicht genügenden Impfdosen verfügbar, hieß es. Auf gut Deutsch: Man war mal eben nach vorne geprescht und hatte die gesamte Öffentlichkeit dazu angehalten, sich impfen zu lassen, ohne die notwendigen Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben. Klares und durchdachtes Handeln sieht weiß Gott anders aus.

Zurückbleibt ein skeptischer Verbraucher, der sich in all seinen Zweifeln bestätigt sieht und sich künftig wohl genauso zurückhaltend wie bei der Schweinegrippe verhalten wird. Man kann angesichts dessen nur hoffen, dass wir es nicht wirklich einmal mit einer Pandemie zu tun bekommen, die schnelles und gezieltes Eingreifen verlangt.

Fazit: Kommunikation hat hier bestenfalls Verunsicherung erzeugt, die man nur ganz schwer wird abbauen können. Getan werden muss es trotzdem. Es steht jedoch zu bezweifeln, dass die initialen Wortführer auch hier vorangehen werden!

Bild: PRMS

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