DFB-Krisenmanagement: Mit der Salami in die Sackgasse?

24 Feb

Man kann dem DFB nicht vorwerfen, dass er nicht versucht hat, den Fall Amerell klein zu halten. Und eben dieser Tatsache sollte man bei der Betrachtung der Affäre vielleicht deutlich mehr Beachtung schenken, als das bislang geschehen ist. Einmal mehr zeigt der Deutsche Fußballbund nämlich, dass er einen recht eigenwilligen Umgang mit der Wahrheit pflegt.

Dem DFB wäre es sicher am liebsten gewesen, er hätte sich nie mit dem Fall Amerell befassen müssen, aber den Gefallen wollten ihm die Beteiligten offensichtlich nicht tun!

So richtig interessant wird die Geschichte  eigentlich mit der ersten Begründung für den Rücktritt von Manfred Amerell. „Aus gesundheitlichen Gründen“ hieß es zunächst. Dumm nur für die DFB-Riege, dass es dabei nicht bleiben konnte.

Im Rahmen der DFB-Pressekonferenz hörte sich das Ganze in der vergangenen Woche dann auch vollkommen anders an: „Wir haben erreicht, dass Manfred Amerell nicht mehr im Amt ist wegen der Pflichtwidrigkeit seines Handelns“, diktierte Verbandspräsident Dr. Theo Zwanziger den anwesenden Journalisten in die Notizblöcke. Stellt sich nur die Frage, warum er das Kind nicht von Anfang an beim Namen nennen konnte? Ob er wohl tatsächlich an den schlechten Gesundheitszustand von Amerell geglaubt hat, ja vielleicht sogar davon überrascht wurde? Aber wenn dem so war: Warum soll der DFB dann plötzlich in der Rolle des Aktiven gewesen sein und will etwas „erreicht“ haben?

Verwundern muss diese eigentümliche Sicht den Betrachter indes nicht, denn gerade DFB-Präsident Zwanziger macht sich die Welt gerne mal so, wie sie ihm gefällt. Das zeigt zum Beispiel die Affäre mit dem Blogger und Sportjournalist Jens Weinreich oder aber auch die gescheiterten Vertragsverhandlungen mit Jogi Löw und Oliver Bierhoff. Da berichtete Zwanziger von einem Handschlagvertrag, den es laut Aussage von Löw nie gegeben hat. Im kleinen Kreis wäre das vielleicht kein großes Problem gewesen, aber Zwanziger wählte ja bekanntlich den Weg über die Öffentlichkeit. Vielleicht um Tatsachen zu schaffen?

Jetzt da der öffentliche Druck zunimmt, wirft der DFB seinen ehemaligen Schiedsrichterobmann Amerell der Öffentlichkeit jeden Tag ein bisschen mehr zum Fraß vor. Die scheinbare Entrüstung von Zwanziger, Niersbach und anderen wirkt aber nicht wirklich aufrichtig. Irgendwie hat man angesichts des Tempos, mit dem der DFB die eben erst so richtig aufgeflackerte Affäre wieder ad acta legen will, den Eindruck, dass man sich in Frankfurt diese saftige Angelegenheit möglichst schnell wieder vom Hals schaffen will – und zwar ohne viele lästige Fragen.

Und Amerell? Der fühlt sich aus nachvollziehbaren Gründen fallen gelassen und moniert nun gemeinsam mit seinem Anwalt die fehlende Rechtsstaatlichkeit in dem Verfahren. Wahrscheinlich ist es vor allem die plötzliche Kehrtwende beim DFB, die Amerell am meisten überrascht und so richtig vor den Kopf gestoßen hat. Schließlich hatte er ja am Anfang allen Grund zu der Annahme, es könne bei seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bleiben.

In einem bemerkenswerten Interview beklagt Amerell die mediale Hatz auf seine Person und äußert darin auch Verständnis für den Selbsttod von Robert Enke. Man fragt sich, wie das wohl in den Ohren der vermeintlich von Amerell Belästigten klingen mag?

Aber das wirklich Irritierende an dem Gespräch ist Amerells Herumgeeiere bei den Fragen zu den Vorwürfen selbst. Als ob Amerell nicht verstanden hätte, dass es um sexuelle Belästigung mit Abhängigen geht. Wohl kaum! Und auch seine Beteuerungen, dass alle Entscheidung zum Aufstieg der Schiedsrichter in den zuständigen Gremien bestätigt worden seien, ist letztlich eher verräterisch. Denn man kann sich die Machtstrukturen in diesen Gremien wohl recht genau vorstellen: Darin dürfte das Wort des Schiedsrichterobmannes durchaus etwas gegolten haben!

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bleibt letztlich die initiale Erklärung des DFB zum Rücktritt von Manfred Amerell. Aus „gesundheitlichen Gründen“ hieß es. Warum aber konnte das keinen Bestand haben? Der DFB wird genauso wenig wie Amerell selbst einen Anlass gehabt haben, von dieser ursprünglichen Version abzurücken. Vielleicht war es so, dass sich ein Geschädigter einfach nicht mit einem fadenscheinigen Rücktritt abspeisen lassen wollte?

Fazit: Die Krisenkommunikation beim DFB ist in jedem Fall verbesserungswürdig. Dass es in einem derart großen Verband wie dem DFB aber zu Fehlern und Verfehlungen kommt, ist nicht wirklich verwunderlich. Der Umgang damit dafür umso mehr! Irgendwie vermitteln viele DFB-Funktionäre den Eindruck, als glaubten sie, sie stünden über den Dingen. Mit ihren eigenwilligen Interpretationen und dem Rückgriff auf die „Salamitaktik“ haben sie sich allerdings gehörig in die Sackgasse manövriert. Gott sei Dank ist der Fußball ja so schnelllebig mögen sich manche jetzt denken: Denn vielleicht gibt es da bald einen neuen Aufreger und der Fall Amerell ist dann nicht mehr so von Interesse.

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