PRMS-Klartext: Auf Nimmerwiedersehen, Social-Media-Berater

15 Nov

Man muss nicht immer traurig sein, wenn eine Spezies von der Bildfläche verschwindet. Um die vielen heißluft-produzierenden Social-Media-Berater wäre es jedenfalls nicht schade.

Wie ein Unternehmen sein Geld ausgibt, ist letztlich die Sache der Verantwortlichen dort. Diejenigen, die kein Geld für einen Social-Media-Workshop mit dem dazu gehörenden Social-Media-Berater ausgegeben haben, kann man letztlich aber nur beglückwünschen.

Für einen Plaudertaschen-Consultant würde man ja schließlich auch kein Geld in die Hand nehmen. Mehr als solche Leistungen konnte bislang jedoch kaum einer der hoffentlich bald verschwundenen Spezies erbringen. Letztlich geht es bei Social Media im Kern auch genau darum.

Gerade die Vordenker der Social-Media-Szene fielen doch vor allem dadurch auf, dass sie ständig in einem neuen Netzwerk aktiv wurden und geradezu innbrünstig von dessen Wichtigkeit schwadronierten. Ganz toll. Herzlichen Glückwunsch.

Sie haben damit aber nur einmal mehr gezeigt, dass einen morgen das Geschwätz von heute nicht mehr interessiert, weil man dann von einem Baum, um den man eben noch getanzt ist, weiter zum nächsten zieht. Das Fatale in Sachen Kommunikation ist dabei jedoch, dass so keinerlei Berechenbarkeit mehr gegeben ist, eben die tut aber not in der überaus schnelllebigen Webwelt.

Social Media vielfach nur mit der Angstkeule verkauft

Natürlich war man schnell bei der Hand mit den vermeintlichen Möglichkeiten, die man mit sozialen Netzwerken erschließen kann. Jedoch machte sich kaum jemand der Protagonisten ernsthafte Gedanken über den realistischen Nutzen dieser Netzwerke. Gerne zitierte man etwa die Nutzerzahlen von Facebook oder vermeintliche Negativbeispiele der Social-Media-Ignoranten. Dass viele der angeführten Beispiele jedoch kaum ernsthafte Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb und Erfolg der jeweiligen Fehltreter gehabt haben, scherte am Tag nach der öffentlich zur Schau gestellten Kritik an den bösen Ignoranten kaum jemand mehr. Warum auch? Man hatte ja seinem Ärger Luft gemacht. Und um mehr ging es doch von Anfang an nicht.

Dumm zudem, dass viele Zielgruppen der Unternehmen, die man mit viel Überzeugungsarbeit auf Facebook gehievt hatte, gar nicht dort waren und noch immer nicht sind. Wahrscheinlich werden sie auch nie da sein. Oder wenn sie es sind, nicht in ihrer Eigenschaft als relevante Zielgruppe, sondern eher als Privatiers, die nicht mit dem Kram aus dem Büro behelligt werden wollen.

Positivbeispiele für gelungene Social-Media-Kampagnen bleiben indes bis heute eher Fehlanzeige. Ein bockiges Schmollen ist dagegen denen sicher, die bei vielen selbst ernannten Experten nach dem Sinn von Social Media fragen.

Überschätzte Möglichkeiten

Verzeihlich mögen solche Auswüchse noch im typischen Endkunden-Bereich gewesen sein. Aber letztlich hätte den etwas helleren Köpfen auch hier von Anfang an aufgehen müssen, dass sich kaum jemand gerne über Marken unterhalten möchte. Was soll man dazu auch sagen? Sicherlich äußert irgendwann einmal jemand Dinge wie: Ich kaufe nur Schuhe der Marke XY. Aber will wirklich jemand diskutieren, was ein „hipperes Brand“ ist? Wohl kaum, es sei denn wir wollen wirklich an die Fantasien der Marketing-Besoffenen glauben.

Gutscheine, Rabatte und Gewinnspiele mögen immer funktionieren, aber braucht man dafür wirklich einen Social-Media-Berater oder eine entsprechende Initiative?

Geradezu töricht sind jedoch die Social-Media-Aktivitäten, zu denen sich viele Unternehmen im B2B-Umfeld hinreißen ließen. Nein, man muss wirklich nicht immer auf Facebook vertreten sein. Auch Twitter ist kein Muss für ein Unternehmen, dessen Erzeugnisse und Dienstleistungen vor allen Dingen von anderen Unternehmen gekauft werden sollen.

Eine Tatsache, die sich viele bislang auch noch nicht vergegenwärtigt haben: Der Streuverlust von Social Media ist extrem hoch, und die meisten Newsfeeds versanden im digitalen Nirwana. Wer nicht mehr als ein paar hundert Facebook-Freunde oder Twitter-Follower hat, kann letzten Endes davon ausgehen, dass die eigenen Botschaften nahezu ungehört verhallen.

Schade ist es um den verschwendeten Aufwand und das schöne Geld. Man hätte beides so viel sinnvoller einsetzen können als für einen phrasendreschenden Berater und einige halbgare Maßnahmen.

Vernünftige Marketing-Beratung statt Social-Media-Hokuspokus

Trotzdem bieten die sozialen Medien durchaus wichtige Publikationskanäle, die man auch im B2B-Umfeld mit wertigem Content füllen und damit sinnvoll nutzen kann. Ein Coporate-Blog oder auch ein gezielter Einsatz von kurzen YouTube-Clips können mit Sicherheit lohnenswert sein. Jedoch müssen die Auftraggeber auf jeden Fall den realistischen Ertrag im Blick haben. Die dort bereitgestellten Inhalte können vielleicht zur Lead-Generierung beitragen, jedoch verpuffen sie, wenn sie nur als isolierte Einzelmaßnahmen umgesetzt werden. Und dem Irrglauben, dass man gerade im B2B-Umfeld alleine mit Marketing-Prospekten Kaufentscheidungen erreichen kann, hängt hoffentlich niemand mehr an.

Die sozialen Medien können und müssen Teil des Marketing-Mixes sein. Wie immer im Leben kann man jedoch nur dazu raten, seine „Eier“ auf mehrere Körbe zu verteilen. Was am Ende zählt ist eine ausgewogene Strategie, die den Vertrieb und dessen Anwendungsfälle unterstützt. Wer allerdings darauf wartet, dass mit Facebook- oder Twitter-Posts alleine die Umsätze steigen, wird enttäuscht werden. Ein bisschen Arbeit bleibt im eigenen Haus. Aber irgendetwas ist ja immer!

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2 Antworten to “PRMS-Klartext: Auf Nimmerwiedersehen, Social-Media-Berater”

  1. Kai Nörtemann 16. November 2011 um 2:54 pm #

    Der Beitrag ist mir aus der Seele gesprochen! Ich habe mich sehr früh schon gefragt, was denn all diese selbst berufenen Social-Media-Berater eigentlich tun außer das scheinbar wohl Bekannte wiederkäuen!

    Und dann: wen erreicht man im B2B-Umfeld? Ich sehe auf Twitter eigentlich fast nur Posts von anderen Beratern in meinem Themenfeld (oder Kollegen), kaum potenzielle Kunden. Da wird dann fleißig re-tweetet und alle bestärken sich gegenseitig der eigenen Relevanz.

    • asprms 16. November 2011 um 6:06 pm #

      Es sind eben solche Twitter-Erfahrungen, die mich zum Umdenken bewogen haben.

      Vielen Dank für das Feedback

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